Design oder nicht sein
Zuerst die Fakten: Die Marmomacc präsentierte auf einer Fläche von über 75000 m2 1500 Aussteller aus 54 Ländern. Fast die Hälfte der Aussteller kam aus dem Ausland. Von den Besuchern kamen 45% nicht aus Italien. »Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden«, so Giovanni Mantovani, Generaldirektor der Verona-Messe, »insbesondere angesichts der schwierigen Zeiten, die die Branche zurzeit durchlebt«. Die Verlegung der Ausstellungsdaten mit dem Wegfall des traditionell den Familienbesuchen gewidmeten Sonntags habe sich als richtig erwiesen. Die Professionalität der Besucher habe noch einmal zugenommen.
Design als Programm
Der Name der Messe ist Programm: »Marmomacc – International Exibition of Stone Design and Technology«. Die zahlreichen Sonderschauen unterstrichen einmal mehr diesen Anspruch. Die Initiative »Marmomacc incontra il Design« will Architekten und Designer mit Ausstellern zusammenführen. Die Stände standen in diesem Jahr unter dem Motto »Hybrid and Flexible«. Die vom Consorzio Marmisti Chiampo initiierte und schon zur Fachmesse Abitare il Tempo gezeigte Ausstellung »I Marmi del Doge« will mit innovativen Gestaltungsansätzen dem natürlichen Material zu einem festen Platz im zeitgenössischen Design verhelfen. Die Sonderschau »Monocromo«, ebenfalls schon auf der Abitare il Tempo gezeigt, stellte nur ein einziges Material in den Vordergrund: Pietra Serena – in verschiedenen Oberflächen und Bearbeitungsmöglichkeiten.
Naturstein im Raum
Stand bei den von Architekten gestalteten Messeständen und der Schau »Monocromo« die Gestaltung von ganzen Räumen im Vordergrund, ging es in der von dem Designer Raffaello Galiotto konzipierten Sonderschau »I Marmi del Doge« um einzelne Gebrauchsgegenstände aus Naturstein. Beide Ausstellungen können exemplarisch für die derzeitige Entwicklung der italienischen und damit auch der internationalen Natursteinbranche stehen. Naturstein nur als harte, funktionale Platte, als dauerhaften Belag oder polierte Verkleidung anzubieten, wird in Zukunft kaum genügen. Überkapazitäten, die Verlagerung der Produktionsstätten aus Europa hin zu den Gewinnungsstätten in aller Welt, stellt die Branche in Italien und nicht nur dort vor die Aufgabe, ihr Produkt neu zu erfinden. Dass dabei viele der Gestaltungsideen weit von einer Serienreife entfernt sind, liegt in der Natur der Sache. Neue Produkte können nicht von heute auf morgen entwickelt werden.
Weg in die Zukunft
Die in Verona vorgestellten Ideen zeigen Wege, wie das Produkt Naturstein in Zukunft aussehen und vor allem auch vermarktet werden kann. Dass die nördlich der Alpen beliebte Forderung nach einer vor allem Steinmetzen wichtigen »Steingerechtigkeit« dabei ab und zu auf der Strecke blieb, ist bestenfalls eine Randnotiz. Viel wichtiger dürfte die Frage sein, wie der Handwerker vor Ort mit dieser Entwicklung umgehen kann und muss. Viele der gezeigten Produkte und Messestände dürften traditionelle Steinmetzen verwirrt oder abgeschreckt haben. Sie sahen eher aus, als seien Architekten die Kernzielgruppe dieser Fachmesse. Das muss nicht falsch sein. Falsch wäre es, die in Verona gezeigten »Fingerübungen und Prototypen« als Irrwege einiger weniger vom steingerechten Weg abgekommener Sonderlinge zu sehen.
Steine »Made in Italy«
Will der Bau- und Gestaltungsstoff Naturstein in Zukunft mehr sein als nur ein harter Belag, sind Initiativen und Ideen wie die in Verona gezeigt dringend notwendig. Sicher geht es hier eher erst einmal darum, die Ideen hinter den Gegenständen und deren Oberflächen zu erkennen. Ziel der Messestände und Produktentwicklungen war es, so vor allem im Bekannten das Unbekannte sichtbar zu machen. Natürlich gilt hier, wie immer wenn es um neue Entwicklungen geht, nicht alles, was gut aussieht, funktioniert auch. Was vor einigen Jahren noch unmöglich schien, dominiert heute eine Messe und nimmt Einfluss auf das ästhetische Empfinden der natürlichen Steine. Handwerk gepaart mit Spitzentechnologien. Naturstein »Made in Italy« soll in Zukunft wieder einen Einfluss auf den Markt gewinnen. Im 20. Jahrhundert, das geprägt war von Technik und fortschreitender Vernetzung der Anbieter im In- und Ausland, blieb die Entwicklung neuer Produkte weitgehend auf der Strecke. Mit einer bemerkenswerten Vielfalt und Innovationskraft hat es Italiens Branche mit neuen Ideen geschafft, für Impulse zu sorgen. Es liegt nun an jedem selbst, diese Möglichkeiten zu nutzen.
Effizienter produzieren
Schneller und einfacher – das sind die Trends bei Maschinen und Werkzeug. Für den Anwender heißt das, dass die Programmierung und Bedienung der computergesteuerten Anlagen stetig verbessert wird und Bildschirmmenüs leichter verständlich werden. An grundlegenden Computerkenntnissen kommt der Steinmetz der Zukunft aber nicht mehr vorbei, will er die technischen Neuerungen nutzen. Besonders gilt das für eine neue Generation der Brückensäge als Basismaschine der Steinverarbeiter. Dort führt kein Weg am Drehkopf vorbei. Mittlerweile gibt es die Sägen mit feststehendem Tisch und drehbarem Sägeblatt fast in jedem Preissegment.
Drehkopf setzt sich durch
Durch den Drehkopf sägt die Maschine zwar nicht schneller, das Sägeblatt fährt aber dank interpolierter Achsen schneller zur nächsten Schnittposition, was Zeiteinsparungen bis zu 70% bei einer polygonalen Treppe bringen soll. Neben der höheren Geschwindigkeit liegt der Vorteil in der höheren Präzision. Da die gesamten Achsbewegungen bei Drehkopfsägen oberhalb der Schmutzzone stattfinden, sind die starren Sägetische viel einfacher in der Konstruktion. Der Aufwand verlagert sich jedoch in die aufwendigere Konstruktion des
Sägesupports. Interessant für kleine Betriebe ist, dass besonders die Einstiegsmodelle nicht nur sehr kompakt gebaut sind, sondern auch immer besser ausgestattet sind. So können DXF-Zeichnungen über einen handelsüblichen USB-Stick eingelesen werden.
Während die Brückensäge ein Comeback erlebt, scheint der Boom der herkömmlichen CNC-Maschinen zur Küchenfertigung etwas nachzulassen. Im oberen CNC-Segment hingegen bieten immer mehr Hersteller eine Kombination aus CNC-Bearbeitungszentrum und Brückensäge an. Dieser Maschinentyp vereint die Vielfalt der CNC-Maschinen mit dem großen Arbeitsbereich der Säge einschließlich des großen Sägeblattdurchmessers. Ausgelöst wurde dieser Trend von Anwendern, die mit einer einzigen Maschine Rohplatten, Massivteile und Grabmale bearbeiten.
Arbeitsfluss beschleunigen
Neben der Verbesserung der Einzelkomponenten versuchen die Hersteller, den gesamten Arbeitsprozess zu rationalisieren, indem die einzelnen Produktionsschritte zu einem kontinuierlichen Arbeitsfluss verknüpft werden, von der digitalen Vermessung der Rohplatte bis zum Abbänken des fertigen Sägestücks. Waren Sägestraßen vor kurzem noch Sondermaschinenbau, gehören sie inzwischen fast zum Standardprogramm der großen Anbieter.
Neue Seil-Giganten
Spätestens seit dieser Messe ist das Rennen zwischen Sägeseil und Trennblatt beim Gattern voll in Gang. Wagte letztes Jahr nur ein Hersteller den Sprung in Regionen von 50 bis 70 Seilen, so waren es auf dieser Messe bereits mehrere. Wie ernst es den Maschinenbauern ist, zeigt der Einstieg eines bislang für seine Jumbo-Gatter weltweit bekannten Anbieters. Das Maß aller Dinge scheinen 70 Seile zu sein, auch wenn der mechanische Aufwand für das Spannen gewaltig ist. Das nötige Räderwerk lässt Betrachter staunen, ruft gleichzeitig aber Skepsis hervor, ob sich das im rauen Alltagsbetrieb bewährt. Die Produzenten der Sägeseile verfolgen dieses Aufrüsten gespannt, äußern aber auch Zweifel, ob die Technik bereits ausgereift ist. In der Praxis müssen sich die neuen Giganten also erst beweisen.
Auch im Kleinen spielt sich viel ab: Massivoptik und Gehrungen sind weiter im Vormarsch, die Hilfsmittel zur Verarbeitung entsprechend zahlreich. Neben eingefärbten Spezialklebern gibt es mechanische Vorrichtungen zur Verklebung, mal mit einfachem Klemmmechanismus, mal mit Klappmechanik und Feinjustierung per Stellschrauben.
Bei den Diamantwerkzeugen entwickelt sich vor allem der Markt für Sägeseile Erfolg versprechend. Gefragt sind Seile mit Durchmessern um sieben Millimeter zur Verwendung auf Blockseilsägen mit zwölf bis 16 Seilen. Darüber sei das Risiko für den Seillieferanten noch zu unkalkulierbar, betonten mittelständische Aussteller aus Deutschland, die durch Qualitätswerkzeuge »Made in Germany« und den damit verbundenen Service international gut bestehen können.
|