Naturstein ins richtige Licht rücken
Die Küchenabdeckplatte leuchtet erst gelb, dann orange, rot, grün, blau und schließlich violett. Immer aber bleiben die natürlichen Maserungen und Strukturen des Natursteins sichtbar, ja kommen mit dem farbigen Licht erst eigentlich zum Vorschein und perkfekt zur Geltung: Zu sehen ist dieses faszinierende Spiel von Stein und Farben im Showroom der Inca Naturstein Design GmbH in Gränichen im Kanton Aargau in der Schweiz. Die Ausstellung setzt den Fokus ganz auf Natursteine in Kombination mit raffinierten Beleuchtungs- und individuellen Designlösungen speziell für die Bereiche Wohnen, Küche und Bad. Nebst Küchenabdeckungen sind auch große hinterleuchtete Wandbilder und eine Duschkabine zu sehen.
»Das Thema Stein und Licht hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen«, erklärt Inca-Design-Geschäftsführer Urs Brandenberg. »Naturstein wird im heutigen Design nicht mehr isoliert betrachtet, sondern bewusst in die gesamte Raumgestaltung eingebunden. Dazu gehört in zunehmendem Maße auch das Licht. Viele unserer Besucher – ob Architekten, Designer oder Bauherren – zeigen sich immer wieder überrascht darüber, wie Naturstein unter Licht plötzlich ganz anders wirkt und wie sich damit spezielle, gefühlsbetonte Stimmungen erzeugen lassen. Allerdings: Licht ist nicht gleich Licht, und Stein ist nicht gleich Stein. Die Lichtquelle sollte also immer auf die Individualität des Steins abgestimmt werden.«
Unterschiedliche Techniken
Transluzente Natursteine haben in der Architektur und im dekorativen Design schon immer eine Rolle gespielt. Lampen und Leuchten aus Alabaster waren schon in der Antike bekannt und erlebten vor allem im Jugendstil eine Hochblüte. Bis vor Kurzem konnten allerdings nur ganz wenige Natursteine hinterleuchtet werden. Erst die Entwicklungen neuer Techniken ermöglichten weitere Fortschritte.
Kunstharzgebundene Mosaikplatten
In einem speziellen handwerklichen Verfahren werden Halbedelsteine zu einem Mosaik zusammengesetzt, mit Epoxydharz zusammengeklebt und auf der Rückseite ebenfalls mit Epoxydharz verstrebt. Auf diese Weise entstehen zwei bis drei Zentimeter starke großformatige Unmaßplatten für den Einsatz vor allem im gehobenen Innenausbau. Für die Hinterleuchtung solcher Mosaikplatten eignen sich nur Halbedelsteine aus der Quarzfamilie wie z.B. Achate, Amethyste oder Karneol.
Transluzente Marmoronyxe und Marmore
Bei Marmoronyxen handelt es sich um ein seltenes Natursteinmaterial mit attraktiven Strukturen und faszinierenden Bemusterungen. Allerdings sind diese Steine säureanfällig und ziemlich heikel in der Verarbeitung. Projekte mit Marmoronyxen eignen sich also nicht überall und sollten immer in Absprache mit einem Onyxspezialisten erfolgen. In der traditionellen Verarbeitung werden Unmaßplatten mit einer Stärke von zwei oder drei Zentimetern geschnitten.
Zur Hinterleuchtung eignen sich bei dieser Plattenstärke naturgemäß nur transluzente oder partiell transluzente Onyxe und Marmore. Die Anwendung in dieser Verarbeitungsstärke kommt dort in Betracht, wo das Gewicht des Steins keine besondere Rolle spielt, also keine statischen Probleme entstehen können.
Expoxydharzgebundene Dünnschichtplatten
Bei dieser Technik werden dünn geschnittene Natursteine mit einem Kunstharz gefestigt und gleichzeitig elastischer gemacht. Bei der Fertigung werden die Steinplatten im Vakuum mit 300 bar Druck mit UV-beständigem Epoxydharz durchdrungen und auf eine Stärke von insgesamt sieben Millimetern gebracht. Bei dieser geringen Dicke werden viele Natursteine leicht transluzent, ohne dass sie dabei den dreidimensionalen Tiefeneffekt verlieren. Die Anwendung ist vor allem dort von Vorteil, wo mit großen Flächen, wenig Gewicht und erhöhten mechanischen Anforderungen gestaltet werden soll. Mit dieser Technik können sehr filigrane hinterleuchtete Objekte umgesetzt werden, wodurch sich eine Vielzahl neuer gestalterischer Möglichkeiten eröffnet.
Natursteinglas
Natursteinglas wird in einem speziellen Dünnsteinverfahren hergestellt. Es besteht aus Glas im Verbund (PVB) mit einer 0,3– 3 Millimeter dünnen Steinschicht. Mit dieser Technik kann praktisch jeder beliebige Naturstein transluzent gemacht werden. Da die PVB-Laminierung nur bedingt wasserbeständig ist, eignet sich die Anwendung hauptsächlich für den Innenbereich. Die Steinschicht wird meist auf der Sichtseite appliziert, möglich ist aber auch das Umgekehrte, was die Reinigung und Pflege beispielsweise in Bad und Küche vereinfacht.
Natursteinglas ermöglicht vielfältige Gestaltungen etwa von Bädern, Duschen, Küchenabdeckungen, Trennwänden, Treppen- und Liftverkleidungen, Türen, Vitrinen, Bartheken, Sideboards, Möbelwänden, Lampen und anderem mehr. Auch ein Einsatz im Außenbereich ist bei Einhaltung gewisser Parameter möglich. In Verbindung mit einer Hinterleuchtung kommen die prächtigen Farben und Strukturen des Steins besonders gut zur Geltung und vermitteln auf diese Weise ein spannendes Ambiente für Wohn- und Lebensräume. Natursteinglas ist auf dem Markt mit Floatglas, Verbundsicherheitsglas und Einfachsicherheitsglas erhältlich.
Eine Aufgabe für Profis
Bei der Hinterleuchtung von Natursteinen ist nicht nur die Wahl des Steins, sondern auch die dazu passende Beleuchtungslösung von ausschlaggebender Bedeutung. Es ist wichtig, dass diese immer auf das jeweilige Material und Verfahren abgestimmt werden. Flimmern, Lichtstreifen, Hitzebildung, Lebensdauer, Stromverbrauch und Wartung, sowie Sicherheitsaspekte in Zusammenhang mit Strom und Statik müssen zwingend beachtet werden.
Autor: Robert Stadler
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