Eine Hilfestellung zum Bauen mit und zum Verkaufen von Naturstein
Naturstein ist schon seit jeher ein Material, das für eine »prägende Architektur« Verwendung findet. Natursteine sind mehr als nur funktionsgebundene Baustoffe: Steine bestimmen den Charakter des Gebäudes.
Steine haben eine Ausstrahlung und vermitteln Identität. Und: Natürliche Steine hatten und haben eine ganz eigene Wertigkeit – in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. Die Qualität gegenwärtiger Bauten mit Naturstein ist gekennzeichnet durch ein hohes Maß an klar ausformulierter Gestaltung und hochwertiger Ausführung, die sehr oft im Innenbereich ihre Fortsetzung findet. Dabei ist zu beobachten, dass sich auch Außenwandbekleidungen oder Bodenbeläge aus Naturstein immer mehr zu einem standardisierten Serienprodukt entwickeln.
Naturstein, Keramik, Kunststein oder Putzsysteme: Die Möglichkeiten der Oberfläche sind unerschöpflich. Die Dünnsteintechnik, »die Reduzierung der Masse« ist noch ein
weiteres Schlagwort. Biegsame Natursteinfolien für Armaturenbretter oder für Handläufe und ähnliche Produkte sind heute kaum mehr als einen Millimeter dick. Applizierte Natursteinschichten sind möglich. Ob sie nötig sind, das ist eine andere Frage. Und gleich noch eine Frage: Bedeutet diese Entwicklung für die Zukunft eine Abkehr von den Wesensmerkmalen dieses Baustoffs, der einst eine tragende Funktion innehatte? Stellt man in Zukunft das steinerne Material auf die Stufe von Laminat-Parkett, Echtholz- Furnier oder gar einer bunt und authentisch bedruckten Folie? Ein Irrweg, glauben wir. Fest steht allerdings: Naturstein ist kein industrielles, standardisiertes Serienprodukt. Naturstein muss seine Einzigartigkeit dar- und herausstellen, seine Hochwertigkeit bewahren. Naturstein muss zukünftig (wieder) zum »Luxusartikel« werden, so wie eine Kollektion von Jil Sander, Giorgio Armani oder Hugo Boss.
Wer Naturstein verbaut, muss auf diese Stärken setzen. Nur so können die natürlichen Steine gegenüber der seriell produzierten Massenware bestehen. Seriell gefertigte Natursteinprodukte können nur dort eingesetzt werden und haben dort eine Berechtigung, wo sie aufgrund ihrer technischen Eigenschaften anderen Baustoffen überlegen sind: unter
anderem als Bodenbeläge in Verkehrsbauten, wo Individualität klein geschrieben wird. Eine hochwertige Natursteinverarbeitung wird dort gefordert und in Zukunft einen noch größeren Marktanteil finden, wo architektonisch mit Naturstein gestaltet wird, wo Kreativität gefragt ist. Die Stärken der natürlichen Steine sind ihre Unverwechselbarkeit und ihre Individualität.
1 Mut zum Ornament
Ornament und Relief in der Fassade gewinnen wieder an Bedeutung. Fassaden werden stärker gegliedert und erhalten mehr Plastizität. Es wird der Versuch gemacht, die klassischen Gestaltungselemente modern zu interpretieren.
2 Massiv kontra leicht
Ein immer gern eingesetztes Gestaltungskonzept bei Architekten ist das Wechselspiel zwischen kubischen massiven Baukörpern und leichten und transparenten Materialien. Kein anderes Material eignet sich für das Monolithische besser als Naturstein. Erst der Kontrast zwischen schwer und leicht, massiv und transparent bringt die notwendige Spannung in die
Gestaltung einer Fassade bzw. eines Gebäudes.
3 Richtig verkaufen
Gefordert ist: Ein fortschrittliches Denken im Marketing! Neue Märkte suchen! Über eine Erweiterung der Absatzmöglichkeiten nachdenken. Für den Export von Naturstein bestehen in der Zukunft deutliche Wachstumspotenziale und ein Anstieg ist bereits feststellbar. Abseits vom Massengeschäft müssen Unternehmen ihre Nische entdecken: Alte Märkte neu regenerieren. Das gilt zunächst für den einheimischen Markt. Der Investorenseite hier den Naturstein schmackhaft machen, durch Aufklärung, Werbung, Kontaktsuche zu den Entscheidungsträgern, zu Architekten und zu Endverbrauchern. Stein braucht in Zukunft mehr denn je die Öffentlichkeit, so wie die Architektur die Öffentlichkeit braucht.
Und letztlich: Beratung! Beratung zur Anwendung geben. Das ist so wichtig! Das gilt für die Gegenwart genauso wie für die Zukunft.
Der eigentliche kritische Ansatzpunkt bei Naturstein liegt nicht beim Material, liegt nicht im Bruch, liegt nicht bei den Produzenten oder Lieferanten, liegt auch nicht beim Verband, und ganz bestimmt nicht bei den Architekten. Nein, der eigentliche kritische Ansatzpunkt liegt letztlich bei der Verarbeitung – am Bau. Damit steht und fällt der Eindruck. Damit steht und fällt die Bewertung bei den Auftraggebern. Damit steht und fällt die Entscheidung für einen nächsten Naturstein-Einsatz.
Naturstein und Architektur gehören zweifelsfrei zusammen. Solange der Bauherr die Platten nicht selbst verlegen muss, wird es Steinarchitektur geben. Solange es Steinarchitektur gibt, wird es Natursteinbetriebe geben.
4 Zurück zum Urgestein
Schleifen und Polieren, das war gestern. Naturstein wird heute oft in seiner ursprünglichen Beschaffenheit belassen. Die Oberfläche bleibt sägerau, gebrochen oder nur grob bearbeitet.
Am liebsten so, wie der Stein aus dem Bruch abgebaut wird, als Rohblock. Der Stein zeigt heute Bearbeitungsspuren, Bohrlöcher, Spitzhiebe oder manuelle Schläge.
5 Die Wertigkeit der Steine
Naturstein ist ein Luxusprodukt, eine Art Designerstück, ein Kunstobjekt oder ein Schmuckstück, mit dem man sich umgibt. Die Betonung der Wertigkeit dieses Jahrmillionen alten
Naturprodukts stellt Architekten vor neue Herausforderungen. Höhen mit Stein kann ein Trend der Zukunft sein, bei dem es auch um die Individualität des Produkts geht.
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